Praxis, Apotheke und Industrie diskutieren E-Rezept + ePA

Kontrovers diskutiert im EinBlick-Podcast und -Newsletter

Praxis, Apotheke und Industrie diskutieren E-Rezept + ePA

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Das Gesundheitsmanagement der BERLIN-CHEMIE AG liefert spannende Einblicke in die relevanten Ereignisse der Gesundheitswirtschaft, knackig aufbereitet zum Lesen oder Hören, je nach Geschmack. Der Newsletter erscheint alle drei Wochen, der Podcast wöchentlich: mit Interviews und spannend aufbereiteten Fakten der Woche. Aktuell diskutieren gleich drei Experten im EinBlick – nachgefragt die digitalen Trends rund um ePA und E-Rezept – mit kontroverser Meinung.

Die Expert:innen aus Ärzteschaft, Apotheken, Behörden, Verbänden und Industrie sind sich selten einig. Ein aktuelles Beispiel ist das E-Rezept. Mehrfach verschoben, viel zu wenig getestet – und keiner trägt die Schuld.

Sebastian Zilch, Geschäftsführer des Industrieverbands BVITG e. V. findet es schade, dass der Zeitplan nicht eingehalten wurde. Doch weil komplexe Projekte Zeit und besseres Projektmanagement benötigen, empfiehlt er, Realität und politische Ziele anzupassen, damit nicht noch mehr Vertrauen geschädigt wird.
Der Vorsitzende des NAV-Virchowbundes, Dr. med. Dirk Heinrich, ist enttäuscht und berichtet von Bedrohungen und Honorarkürzungen: Die Praxen sind demotiviert, da sie sich bemüht haben, Heilausweise und Konnektoren rechtzeitig anzuschaffen, doch niemand unterstützt bei Tests oder Einrichtung, erst recht nicht bei den Kosten. Digitalen Veränderungen steht er aufgeschlossen gegenüber, allerdings sollen diese Prozesse vereinfachen und keinen komplizierten Mehraufwand nach sich ziehen.

Die Apothekerin Anke Rüdinger aus Berlin hält fest: Die Apotheken sind bereit, das Rezept flächendeckend einzuführen. Wir freuen uns über den aufgeschobenen Start, da 42 Tests bei hunderttausend Verschreibungen deutlich zu wenig sind. Sie erhofft sich unter anderem durch KIM und TIM eine bessere Kommunikation, die am Ende der Versorgung aller Patient:innen zu Gute kommt. Allerdings sieht sie auch mehr

Beratungsaufwand seitens der Apotheken, weil Erkrankte nicht mehr selbst lesen können, was auf einem Rezept steht, wenn dieses nur digital vorhanden ist. Rüdinger ist Mitglied des Geschäftsführenden Vorstand der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V. und Vorsitzende des Berliner Apotheker-Vereins.

Und was bringt die ePA?

Apotheken dürfen die Akte nicht einsehen, das verbietet die DSGVO. Da die Datenhoheit den Patient:innen obliegt und ggf. nur Teilberichte umfasst, kann sich kein Personal sicher sein, alles Wichtige zu erfahren. Doch insgesamt werden die Daten die Arbeit erleichtern, so Rüdinger.

Den Ärzt:innen bringt die ePA nichts, entgegnet Heinrich. Unvollständige Daten, oft als PDFs, sind für ihn unnütz und nicht integrierbar. Die fehlende Verantwortlichkeit ist ein weiteres Thema: Wenn Daten fehlen und ich etwas Falsches verschreibe, wer ist dann schuld? Die Apotheke, ich oder die Programmier:innen? Solange diese Fragen ungeklärt bleiben, sieht er in der ePA keinen Vorteil. Zudem hat kein Mensch ihn bislang danach gefragt.
Zilch hält die digitale Akte samt neuer opt-out-Funktion für einen positiven und wichtigen Schritt. Doch die Definition ihrer Rolle im Versorgungsprozess steht noch aus und ihre Inhalte müssen in standardisierter strukturierter Form speicherbar werden. Für digitale Prozesse wünscht er ein gutes Maß zwischen Herausforderung, Vorwärtskommen und Management, bei dem alle Beteiligten mitgenommen werden.

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